Auf und davon nach Neuseeland

Herzlich Willkommen auf dem Blog von Tom und Jane :)
Hier habt ihr die Möglichkeit uns bei der Reise durch die Welt in das jüngste Land zu begleiten und unsere Erfahrungen zu teilen. Es werden aktuelle Ereignisse, Eindrücke und natürlich auch Fotos veröffentlicht um euer Fernweh zu steigern.
Wir hoffen euch gefällt die Seite und freuen uns über ganz viele Kommentare und Grüße aus der Heimat. Also seid fleißig :)

Samstag, 5. Februar 2011

Unspektakulärer Süden














Nun ging es weiter zum südlichsten Punkt der Südinsel, nach Invercargill und Bluff. Die Straße nach Southland führte durch Weidelandschaften und grünes Flachland. Immer wieder trafen wir auf blökende Schafe und wiederkäuende Kühe. Ein totales Kontrastbild im Vergleich zum bergigen Fjordland und dabei waren wir noch nicht mal 100 Kilometer entfernt. Im späten Nachmittag erreichten wir Bluff, ein kleines Kuhdorf am Rande der Südinsel und genauso fühlten wir uns hier auch. Die Gebäude waren heruntergekommen, die Straßen fast leer und wir hatten allgemein ein sehr ungutes Gefühl hier. Nichts war mehr vom Zauber des Milfords übrig geblieben. Also besuchten wir nur schnell das Schild, welches in alle Himmelsrichtungen zu verschiedenen Städten zeigte und dann verschwanden auch schon wieder. Für die Nacht ließen wir uns in Invercargill nieder.

Bei regnerischem Wetter machten wir einen kleinen Spaziergang durch den Queensgarten von der Stadt. Wie jeder Stadtgarten in Neuseeland war auch dieser sehr gepflegt und schön angelegt. Wir besuchten mal wieder einen niedlichen Streichelzoo mit Schweinchen, Häschen und Hühnern und damit hatten wir auch schon alle Sehenswürdigkeiten der Stadt gesehen. Nicht sehr aufregend, wie man merkt. Das bedeutete für uns weiter zu den Catlins nach Osten zu fahren.

Entlang einer kurvenreichen Küstenstrecke mit abgelegenen Wäldern und bewachsenen Buchten tauchten wir in die Region der Catlins ein. Hier gibt es noch unberührte Wildnis, die zum Verweilen und Entspannen einlud. Aber auch interessante Phänomene wie der Fossil Forest können besucht werden. In dem 160 Mio. Jahre alten versteinerten Wald aus der Jurazeit kann man auf Erkundungstour gehen und Stümpfe, sowie Baumstammfossilien suchen. Allerdings hat es wie wild geregnet und so hielten wir uns dort nicht lange auf und fuhren weiter zu einem großen Wasserfall. Dieser war natürlich wunderschön, aber da wir schon so oft und so viele Wasserfälle in Neuseeland gesehen haben, sind wir beim Anblick von den mehrstufigen Purakaunui Falls nicht vom Hocker gefallen.
Weiter östlich erreichten wir dann den Nugget Point. Bei einem kurzen Fußmarsch kommt man zum leuchtturmgekrönten Kap, von dem man einen herrlichen Blick auf die umliegenden, von Wellen geformten Felsvorsprüngen hat. Mit Sonne ließ es sich hier auch deutlich besser aushalten als beim versteinerten Wald.Doch lange blieben wir nicht, da sich viele Touristen auf der kleinen Plattform eingefunden haben und den Blick aufs weite Meer etwas störten. Also weiter nach Dunedin.

Davon erfahrt ihr mehr im nächsten Bericht.

Fjordland, unser Highlight – Das Wandern ist des Müllers Lust.




























Am nächsten Tag hieß es Queenstown zu verlassen, und in den nächsten Ort zu fahren. Te Anau ist das Eingangstor zum Milford Sound, der wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit in ganz Neuseeland. Wir ließen uns hier nieder und planten die nächsten Tage, da viel auf dem Programm stand. Doch den ersten Tag nutzten wir zum Entspannen am See mit einer großen Portion Eiscreme. Diese Stärkung brauchten wir auch, da am darauf folgenden Tag der Kepler Track auf der Tagesordnung stand. Den 60 Kilometer langen Rundwanderweg wollten wir jedoch nicht komplett laufen. Wir entschieden uns für eine Tageswanderung, wo wir bis zur ersten Hütte laufen und wieder zurück und um die 6 bis 7 Stunden unterwegs sind.

Wir starteten bei gutem Wetter und mit reichlich viel guter Laune. Die erste Etappe ging ganz locker leicht durch einen Regenwald immer am Ufer des Te Anau Sees entlang. Nach knapp einer Stunde fing dann die Steigung an und wir liefen fast 3 Stunden nur bergauf und mit ganz viel Wald und Gebüsch um uns herum, sodass wir nur ganz selten mal einen Blick auf die Umgebung hatten. Nicht sehr motivierend, wenn man die ganze Zeit nur Bäume und Sträucher sieht und kaum Tageslicht durch den dichten Wald dringt. Doch dann überquerten wir endlich die Baumgrenze und konnten über die gesamte Gegend und darüber hinaus in die Fjorde schauen. Nun machte uns das Wandern wieder richtig Spaß und wir kamen glücklich an der ersten Hütte an. Wir legten hier eine kurze Pause ein und waren eigentlich schon auf dem Rückweg, als wir die Bergspitze des Mount Luxmore nicht weit von uns entdeckten. Nur eine Stunde soll man bis zum Gipfel brauchen. Also nichts wie rauf. Vorbei an alpinen Seen und Tümpeln, sowie an einigen Keas, kamen wir nach einer weiteren anstrengenden Stunde am ersehnten Gipfel an und wie immer hat es sich gelohnt. Umgeben von zahlreichen Bergen und Tälern der Fjorde wehte eine frische Briese um unsere Nasen und wir genossen einfach nur diesen unbeschreiblichen Augenblick. Wir verweilten jedoch nicht lange, da der Rückweg auf uns wartete und es schon später Nachmittag war. Also quälten wir uns den gesamten Weg wieder runter, jedoch nicht ohne die Aussicht in ganz vielen Fotos festzuhalten.
Gegen 21 Uhr kamen wir dann schlussendlich wieder am Auto an und stellten fest, dass wir ganze 9 Stunden unterwegs waren und dabei 36 Kilometer zurückgelegt haben. Eigentlich total krank! Dementsprechend taten uns auch unsere Beine weh und wir konnten uns kaum noch bewegen, also schnell zum Campingplatz und ab ins Bett, aber nicht ohne vorher zu duschen. Doof, dass es hier bis auf einen Gletschersee nichts anderes gab. Schlussfolgerung: Schnell ins eiskalte Nass und frisch machen, wenn das dann geschafft war, konnten wir endlich ins lang ersehnte Bett.

Mit viel Muskelkater begann dann der nächste Morgen. Wir nahmen uns vor einen ruhigen Tag zu machen, doch natürlich hat das nicht geklappt. Wir fuhren die legendäre Milford Straße durch die gletschergeformten Täler entlang. Vorbei an kleineren und größeren Bergseen, zwischen hohen Bergriesen erreichten wir dann einen kleinen Parkplatz von wo aus der Routeburn Track beginnt. Ganz gemütlich und im gemächlichen Tempo liefen wir die ersten Kilometer des Tracks bis zu der Abzweigung, wo es zum Key Summit geht. Ziemlich gerädert vom Vortag krochen wir den kleinen Hügel hoch und kamen an einem Bergplateau an. Umgeben von einer einzigartigen Bergvegetation befanden wir uns mitten in einer alpinen Moorlandschaft. Ein kleiner Bergsee komplettierte die atemberaubende Atmosphäre. Wir hatten einen wundervollen Blick aufs Tal, wo sich die Milford Road elegant durchschlängelt und genau gegenüber entdeckten wir einen See, der am Fuße eines hohen Berges seinen Platz gefunden hat. Fasziniert von der Szenerie, hielten wir uns noch länger in dieser tollen Bergwelt auf. Nach 3 Stunden waren wir wieder am Auto und wir bewegten uns kein Stück mehr und lagen den restlichen Tag faul und regungslos rum. Zum Abend fuhren wir dann noch an einen wunderschönen Campingplatz, der an einem klaren Gletschersee gelegen war. Idyllische Ruhe war vorzufinden und Türkisfarbendes Wasser. Bei einem nicht zu vergleichenden Sonnenuntergang, der den ganzen Himmel in verschiedene Rottöne färbte, ließen wir den Tag dann ausklingen.

Wieder einmal weckte uns früh der Wecker und wir brachen auf, um endlich den Milford Sound zu besuchen. Die lange Milford Road führte weiter durch eine atemberaubende Landschaft, die ich so noch nie gesehen habe. Um zum Sound zu gelangen, muss man einen langen Tunnel durch das Gestein passieren. Diese nicht vertrauenswürdige Röhre, würde in Deutschland durch alle ADAC Sicherheitstests fallen. Es gibt keine asphaltierte Straße und man kann gerade so einem entgegenkommenden Auto ausweichen. Bei einem Bus wird es schon schwieriger. Licht sucht man vergebens, genauso wie Notausgänge oder Pannentelefone. Man ist also eigentlich komplett auf sich alleine gestellt. Aber nach 1,5 Kilometern erblickten wir wieder das Tageslicht und die wunderschöne Umgebung.
Die 119 Kilometer lange Milford Road endete dann auf einem Parkplatz mit einem großen Hafen, von wo die ganzen Bootstouren durch den Sound starten. Punkt 9 Uhr kamen wir auf unser Schiff und bei bewölktem Wetter startete unsere Fahrt. Immer wieder kamen ein paar Schauer vom Himmel und man könnte meinen, dass die den Bootsausflug vermiesen würden, doch in diesem Fall haben sie ihn verschönert. So wie auch an der Westcoast, regnet es im Fjordland rund 200 Tage im Jahr. Wer also hier einen klaren Tag erwischt hat sehr viel Glück. Doch wir wollten das wahre Neuseeland sehen und dazugehört auch den Milford Sound bei Regen zu besuchen und es war gar nicht so schlimm. Wir sahen wolkenverhangene Berge und alles war in einen malerischen Schleier von Dunst eingehüllt. Durch den Regen flossen mehrere Wasserfälle die steilen Gesteinswände hinunter. Wirklich eine beeindruckende und stille Atmosphäre in den Morgenstunden. Ich kann also jedem nur empfehlen hier mal herzufahren und sich selber von dieser Landschaft verzaubern zu lassen. Einen kleinen Eindruck bekommt man vielleicht auch in den Fotos.

Nach knapp 2 Stunden hatten wir wieder festen Boden unter den Füßen, über den sich vor allem Tom freute, denn trotz Tabletten, findet er Boote immer noch grausam. Auf dem Rückweg schauten wir uns noch Flüsse mit klarem Wasser an und hielten an jeder Gelegenheit, um die einmalige Landschaft zu bestaunen. Dabei bemerkten wir einen Van, der uns ziemlich ähnlich vorkam. Nach einem kurzen Moment wussten wir auch wieso. Das Pärchen aus England und Israel hielt auch für einen kurzen Zwischenstopp an und hat sich den Milford Sound angeguckt. Wir bequatschen unsere nächsten Reiseplanungen und stellten fest, dass wir eigentlich die gleichen Zielorte in die nächsten Tage und Wochen besuchen, also war ein Wiedertreffen vorprogrammiert.
Danach hielten wir immer wieder am Straßenrand an, um die Einsamkeit und Ruhe des Fjordlandes zu genießen. Jedoch nicht lange. Denn immer wieder, wenn wir ein schönes Plätzchen gefunden haben, hielt keine zwei Minuten später ein anderes Auto an und gestellt sich zu uns, also fuhren wir zum nächsten Fluss. Aber auch hier hielt wieder ein Auto an und tat uns gleich. Ich glaube wir sind insgesamt 4-mal angehalten, wo man bis auf die unberührte Natur nichts vorfand und plötzlich war alles voll mit Autos. Daran merkt man, dass der Mensch auch nur ein Herdentier ist. Es ist das gleiche Phänomen wie in der Stadt. Man muss sich einfach nur auf einen öffentlichen Platz stellen und lang genug in den Himmel starren. Im Laufe der Zeit tun es dir immer mehr Menschen nach und irgendwann findest du dich in einer Gruppe staunender Nachmacher wieder. Und genauso war es auf der Milford Road.

Der nächste Abschnitt unserer Reise wird bald berichtet.
Bis dahin, Tom und Jane

Queenstown – Adrenalintown



Auf dem Weg von Wanaka nach Queenstown passierten wir schöne Bergseen und eine atemberaubende Berglandschaft, die sich nur gelegentlich zeigte.
Nun ging es von der menschenleeren und einsamen Westcoast in die Zivilisation zurück, und was für eine. Queenstown ist wohl die Adrenalinhauptstadt der Welt. Das liegt nicht nur daran, dass hier der Bungeesprung erfunden wurde, sondern auch an den Unmengen von Freizeit- und Outdooraktivitäten, die hier angeboten werden.
- Fallschirmspringen
- Helicopterfliegen
- Gleitfliegen
- Kunstfliegen
- Jetbootfahren
- Skifahren
- Riverrafting
- Höhlenwanderungen
Und viele andere Aktivitäten, um Nervenkitzel pur zu erleben. Schon allein auf dem Weg in die Stadt kamen wir an einer Brücke vorbei, wo der erste kommerzielle Bungeesprung ausgeführt wurde. Wir gesellten uns in die staunende Menge und beobachteten mehrere Menschen, wie sie todesmutig mit einem lauten Schrei in die Tiefe stürzten. Manche tauchten sogar komplett in den eiskalten Fluss ein. Sofort kam uns der spontane Gedanke auch gleich zu springen, da wir es eh in Queenstown vorhatten, doch irgendwie war uns noch nicht danach. Also schnell zurück ins Auto und weiter ins Zentrum.
Erstaunlicherweise hat der Regen etwas nachgelassen, aber die Wolken waren immer noch präsent. Den ersten Tag, bzw. Was noch davon übrig war, nutzten wir, um uns in der Stadt etwas zu orientieren. Dabei verliebten wir uns in das quirlige Städtchen. Viele junge Menschen, mehrere tolle Einkaufsstraßen, umgeben von mehr oder weniger alten Gebäuden und das unglaubliche Bergpanorama mit dem großen See, machte uns die Gegend hier sehr schmackhaft. Hinzu kam, dass wir einen Freund aus Deutschland kannten, der zur gleichen Zeit nach Neuseeland kam wie wir und hier seit zwei Monaten in einem Restaurant arbeitete und hier eine kleine Wohnung besaß. Somit war klar, dass wir mindestens drei Tage bis Silvester hier bleiben würden.
In einem Internetcafé wollten wir Andreas, der deutsche Freund, kontaktieren. Dabei fielen uns viele Broschüren und Prospekte zu den Bungeejumpmöglichkeiten auf und wir stöberten etwas herum. Ein Typ vom Schalter bemerkte das und war sofort zur Stelle, um uns zu beraten. Zunächst schien er uns ganz normal, doch im Laufe des Gesprächs ist uns immer mehr aufgefallen, dass es ein total verrückter und aufgedrehter Typ war. Mit Setzen wie: „Woha that’s absolute scary shit!“ oder „Two crazy guys from Germany? I love it!“ schien er Queenstown sehr gut zu repräsentieren. Als er uns die drei Bungeejump Varianten vorgestellt hat, erwähnte er eigentlich in jedem Satz mindestens einmal: „That’s pretty amazing!“, weil er jeden Einzelnen ausprobiert hat und nicht aufhören konnte davon zu schwärmen. Er war richtig in seinem Element und wollte uns zum Nevis Jump überreden. Wahrscheinlich, weil dieser mit $260 ($10 mehr als ein Fallschirmsprung) der teuerste ist, aber auch der höchste. 134 Meter in 8 Sekunden freien Fall, das ist total krank! Für mich kam das überhaupt nicht infrage, schon gar nicht, weil es so teuer war. Aber Tom fand den Sprung schon sehr reizvoll und wollte diesen eigentlich auch buchen, doch dann erwähnte der Typ, dass beim The Ledge, man drei Sprünge zum Preis von einem haben konnte und da war für uns beide die Wahl schon getroffen. Mit 47 Metern ist der Sprung zwar nicht annähernd so hoch, wie der Nevis, aber bei drei Sprüngen kann man das Gefühl sicher viel intensiver wahrnehmen. Also für den nächsten Tag gebucht und dann gingen wir nervös ins Bett.

Der Nervenkitzeltag war sonnig und warm und weit und breit gab es keine einzige Wolke, somit war das 6-Tageregenwetter endlich vorbei. Mit einer Godel fuhren wir einen Berg hinauf, wo die Bungeekapsel lokalisiert war. Von hier oben konnte man die gesamte Stadt und die dazu gehörige Umgebung wunderbar überblicken und genießen. Das Wetter spielte zum Glück mit und so hatten wir einen klaren Tag, um unsere Grenzen auszutesten. Als wir in der Gondel saßen und wir diese Sprengkapsel erblickten, blieb mein Herz für einen Augenblick stehen. Seit dem ersten Tag in Neuseeland, als Tom beschlossen hat einen Bungeesprung zu machen, habe ich immer gesagt. „Nein Bungee mache ich nicht, davor habe ich zu viel Angst.“ Dann besuchten wir die Aucklandbridge mit der Bungeekapsel und sahen einigen beim Sprung zu und ich freundete mich etwas mehr mit dem Gedanken an und habe für mich beschlossen: „Okay, aber nur wenn Wasser unter meinen Füßen ist, sodass ich noch eine kleine Überlebenschance habe, sollte das Seil reißen.“ Und dann stand ich auf einem Plateau, weit über der Stadt, in einem Wald mit hartem Boden, der so nah und beängstigend vorkam, dass ich am liebsten wieder umkehren wollte. Ich war so voller Angst und aufgeregt, dass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte und nur wirres Zeug geredet habe. Tom war natürlich wie immer ganz cool und schon total genervt von dem zittrigen Nervenbündel neben ihm. Wir genossen, bzw. Ich versuchte die tolle Aussicht zu genießen, doch irgendwie gelang es mir nicht. Bis dato war ich noch nie von so einer Angst geprägt gewesen. Vor dem Fallschirmsprung war ich nicht mal annähernd so aufgeregt. Das liegt wohl einerseits daran, dass ein Fallschirmlehrer dabei war und mir ein Gefühl von Sicherheit gegeben hat und andererseits, weil es so hoch war, dass man den Boden nicht sehen konnte und ich so keine Angst vor einem Aufprall hatte. Doch beim Bungee ist alles anders.
Tom war der mutigere von uns beiden, also durfte er auch zu erst springen. Während man ihm den Gurt und alles umschnallte, positionierte ich mich auf einer Aussichtsplattform und fotografierte ihn beim Sprung. Das besondere an diesem Bungee war, dass man hier nicht an den Beinen angeschnallt wurde, sondern am Becken. Das ermöglichte einem verschiedene Arten von Sprüngen und einfach mehr Freiheit. Beim Ersten nahm Tom Anlauf und tauchte mit dem Kopf und den Händen voraus in die Tiefe und gab einen lauten Schrei von sich. Nahtlos sprang er ein zweites Mal, doch diesmal stand er mit dem Rücken an der Kante und lehnte sich nach hinten, während ein Mitarbeiter ihn festhielt. Plötzlich lies er los und Tom fiel erneut in die Tiefe. Beim dritten Sprung machte Tom einige Saltos, sah sehr cool aus und er kam mir mit einem großen Grinsen entgegen.
Und dann war ich an der Reihe. Total geflasht von Toms Sprüngen und zittrig, wurde alles umgeschnallt und der Typ versuchte mich irgendwie mit lustigen Gesprächen zu lockern, doch irgendwie funktionierte es nicht. Dann hieß es dem Tod ins Auge zu blicken und er führte mich an die Kante heran, um mir den Abgrund zu zeigen. Jetzt noch ein total fröhliches Grinsen in die Kamera und dann kann es losgehen. Auch ich sprang zuerst mit dem Kopf voraus und nahm dabei Anlauf. Alles, was mir dabei in meinem Kopf vorging, war der wiederholende Satz: „Nicht anhalten! Nicht anhalten!“ und so rannte ich, ohne zu stoppen, und stürzte mich ins Nichts. Das ist ja so unglaublich, ich habe nur geschrien und die Umgebung total ausgeblendet. Als es dann vorbei war, schwing ich noch etwas hin und her und wurde dann rettend hoch gezogen. WOW. War das Einzige, was mir einfiel, als man mich frage, wie es war. „Und noch mal?“ „Ja, aber erst mal eine kurze Pause.“ „Pause? So was gibt es hier nicht, gleich oder gar nicht.“ „Ach verdammt, okay noch mal.“ Ich wollte noch mal genauso springen, doch dann sagte mir der Typ, dass es eine Regel gibt und die besagt, dass man nicht den gleichen Sprung noch mal machen darf, also muss was anderes her. Wie wäre es mit Anlauf und dann drehen, um ruckwärts zu fallen? Joa klingt gut, also hopp. Wer denkt, dass es beim zweiten Mal einfacher ist, der täuscht. Es ist genauso schlimm. Denn auch hier muss man sich erst mal überwinden über diese Schwelle zu treten, wo dann einfach gar nichts mehr kommt. Und wieder drückt es einem die Eingeweide zusammen und man schreit so laut man kann. Doch diesmal konnte ich die Aussicht genießen. Nicht direkt beim Sprung, aber danach, als ich auf das Hochziehen gewartet habe. Und wieder die Frage: „Noch mal?“ Diesmal ganz überzeugend: „Ja klar!“ und dann haben sich die Typen gedacht, dass es nett wäre, mich rauszuwerfen. Total unter Adrenalin und zittrig willigte ich ein, ohne wirklich zu wissen, was die vorhatten. Dann nahmen mich zwei Mitarbeiter und warfen mich raus. Als ich dann wieder hochgezogen wurde und mir bewusst wurde, dass es das letzte Mal war, war ich total erleichtert, aber auch total stolz auf mich, dass ich meine Grenze überwunden habe. So können Tom und ich mit Stolz behaupten: „We did it!“

Am darauf folgenden Tag war Kontrastprogramm angesagt. Nach dem Tiefenrausch ging es nun zum Höhenrausch. Die Strecke, die wir am Vortag noch gemütlich mit der Gondel hochgefahren sind, wurde nun gewandert. Eine Stunde lang bergauf und wir erreichten denselben Punkt wie den Tag davor. Wieder bei schönem Wetter und mit schöner Aussicht. Doch diesmal sollte es noch ein Stück weiter gehen. Wir nahmen uns den Ben Lomond vor. Dieser 1750m hohe Berg war unser Tagesziel. Etwas gerädert vom Vortag (Jaa Bungeejumping ist anstrengend und Muskelkater hat man danach auch wie sau, eigentlich perfekt um abzunehmen. Damit wäre die Bungeejumpdiät und Trainingseinheit auch erfunden) quälten wir uns die erste Passage hoch, als wir den Gipfel erblickten, hatten wir beiden den gleichen Gedanken: „Nee, da geh ich nicht hoch!“ und so einigten wir uns keinen Gewaltmarsch zu machen, sondern ganz gemütlich etwas rumzuwandern und ein bisschen in die Richtung zu spazieren. Aus den gemütlichen Vorsätzen wurde jedoch nichts, als wir ein Schild erreichten, wo es hieß, dass es bis zum Sattel nur eine Stunde ist und bis zum Gipfel nur zwei. Sofort packte uns der Ehrgeiz, wobei dieser bei Tom mehr Wirkung zeigte, und eh wir uns versahen änderte sich der ruhige Spaziergang zum Tagesmarsch.
Wir liefen durch grasige Hügellandschaften an einem schmalen Pass entlang und erreichten in relativ kurzer Zeit den Sattel. Schnaufend, keuchend und auch etwas fluchend, warum wir den Mist hier eigentlich machen, krochen wir (damit mein ich hauptsächlich natürlich mich) den Sattel hoch. Wir traten über die Schwelle und erblickten die verschollene Berglandschaft. Schneebedeckte Gipfel reihten sich neben- und hintereinander, einer schöner und größer als der Andere. Vereinzelte Schafswolken durchquerten unseren Blick und komplettierten den wundervollen Augenblick. Wer hätte gedacht, dass wir diese Berge noch sehen, nachdem sie 6 Tage lange von Regen und Dunst verdeckt waren und wir sie gar nicht wahrgenommen haben. Umso mehr genossen wir diese Sicht und saugten die Berge förmlich in unser Gedächtnis. Gestärkt durch die kurze Verschnaufpause und motiviert durch die Sicht, widmeten wir uns nun der Gipfeletappe. Auch wenn die Beine immer schwerer wurden und die Füße schmerzten, erreichten wir nach einer quälenden Stunde Brutalem bergauf die Spitze. Und wir standen da und machten gar nichts, außer staunen. Wer hätte gedacht, dass in dieser aktiven Stadt doch ein Plätzchen Einsamkeit und friedvolle Stille zu finden ist. Wie gewohnt legten wir am Gipfelkreuz eine Pause ein und aßen unsere Brote mit unbezahlbarem Ausblick. Jetzt schnell noch runter und so lagen 1500 Höhenmeter hinter uns. Total kaputt und fertig ging es dann ins ersehnte Bett.

Der Morgen des 31. Dezembers begann viel zu früh, aber dafür mit schönem Wetter. Der Grund unseres frühen Erwachens war der anstehende Besuch einer Werkstatt. Auf dem Weg von Westport nach Queenstown runter wurden wir immer wieder von einem quietschenden Geräusch der Bremsen verfolgt. Beim Nachfragen bei einem Fachkundigem, wurde uns mitgeteilt, dass die Bremsbelege wohl runter sind und dringend erneuert werden müssten. Also ging es zum Werkstatttermin. Der Mechaniker nahm Wolfgang gründlich unter die Lupe und in die Zwischenzeit rechneten wir uns schon die Kosten aus. Jedoch wurden wir früh unterbrochen, da der Mechaniker mit einem Grinsen wiederkam und uns mitteilte, dass die Bremsbeläge brandneu sind, jedoch die Bremsscheibe schon etwas älter und dies verursache das Quietschen. Allerdings sei es nicht notwendig diese zu erneuern. Erleichtert über diese Information und $50 ärmer (keine Ahnung, was er alles für die 5 Minuten reingucken berechnet hat) konnten wir uns nun auf das neue Jahr vorbereiten.

Wir fuhren zur Wohnung von Andreas, wo er und sein Freund Alex schon auf uns warteten. Gemeinsam gingen wir einkaufen und dann zum nächsten öffentlichen Grillplatz, die es hier praktisch überall in Neuseeland gibt. Ausgestattet mit Feuerzeug und Bratwurst grillten wir unser Letztes Mittag im Jahr 2010.
Am Abend ging es dann in die Stadt, wo zwei große Bühnen aufgebaut wurden. Hunderte Menschen, darunter sehr viele Backpacker, haben sich versammelt, um zusammen das neue Jahr zu begrüßen. Wir gesellten uns zu vielen anderen an den Strand und kamen mit einer Gruppe von Amerikanern aus Texas ins Gespräch. Nach einem riesigen und wunderschönen Feuerwerk über dem See sind Tom und ich schnell zur nächsten Telefonzelle gegangen und haben die Liebsten daheim beim Mittagessen angerufen und alles Gute zum neuen Jahr gewünscht. Als wir wieder kamen, war die Feier auch schon zu Ende. Die Musik wurde ausgestellt, die Bühnen wurden abgebaut und die Menschen sind zurück in ihre Unterkünfte gegangen und es war noch nicht mal um 1 Uhr. Also haben wir noch schnell einen etwas betrunkenen Freund nach Hause gebracht und dann war die Silvesternacht auch schon vorbei.

Wie es weiter ging, erfahrt ihr bald.
Grüße von den Adrenalinjunkies.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Keine Sicht und dafür ganz viel Regen






Nach einer regnerischen Nacht (ja wie sollte es auch anders sein?) am See, fuhren wir weiter in den Süden, um irgendwie diesem Regenguss zu entfliehen. Doch leider brachte die Flucht gar nichts, denn der Himmel war nach wie vor von dicken grauen Wolken bedeckt. Wir durchquerten endlose Küstenabschnitte mit Regen, hohe Bergpassagen mit Regen und weidenüberdeckte Täler mit Regen. Es nahm einfach kein Ende. An manchen Straßenabschnitten reihten sich massenhaft Wasserfälle aneinander, die von den Steilwänden an der Seite herunterflossen und die Straße Unterwasser setzten. Das Panorama muss überwältigend sein, aber leider haben wir überhaupt keine Ahnung, was sich hinter dem grauen Schleier befand. Wir kamen wohl an ein paar Herr der Ringe Szenerien vorbei, doch wir wollten keinen Fuß in das kalte Nass setzen. Eigentlich wirklich schade, da die Landschaft sehr eindrucksvoll und schön sein soll. Na ja, bei unserem nächsten Besuch in Neuseeland schauen wir uns die Gegend dann noch mal bei schönem Wetter an.

Irgendwann kamen wir im belebten Städtchen Wanaka an, welches an einem malerischen Bergsee gelegen ist, aber ihr wisst ja: Keine Sicht und dafür ganz viel Regen.
Wir schlenderten etwas durch das Zentrum, natürlich mit einem großen Regenschirm und bummelten durch die vielen kleinen Läden. Zum Abend stellten wir uns auf einen Campingplatz und schlummerten friedlich mit dem trommelten Geräusch des Regens auf dem Autodach ein.
Der nachfolgende Morgen war selbstverständlich auch regnerisch und wir beschlossen, uns Aktivitäten unter einem Dach zu widmen. Also ging es für den Vormittag in die Puzzeling World. Hier in dem Illusionszentrum konnte man wunderbar einen regnerischen Tag verbringen, das dachten sich wohl auch 500 andere Touristen, die sich mit uns zusammen durch die relativ engen Räumlichkeiten quetschten. Natürlich durfte eine große Ladung Japaner mit ihren monströsen Spiegelreflexkameras nicht fehlen. Wir schauten uns dreidimensionale Bilder und Grafiken an, viele optische Täuschungen und besuchten einen Raum, wo veranschaulicht wurde, wie der Herr der Ringe Film gedreht wurde und mit welchen Tricks die Hobbits so klein erscheinen. Zudem kamen wir in einem Raum, der komplett schräg war und das Wasser lief hier gegen die Gravitationskraft nach oben. Lange hielten wir uns dort nicht auf, da Tom etwas schlecht wurde und man eigentlich auch rausgedrückt wurde von den Massen.Im Großen und Ganzen ganz nett, aber mehr auch nicht. Kann man sicher auch in Deutschland erleben, dafür ist eine Weltreise nicht von Nöten.

Da sich das Wetter anscheint gar nicht ändern wollte, entschieden wir uns schweren Herzens Wanaka zu verlassen. Auch hier werden wir wohl noch mal herkommen müssen, um den Bergsee und die sagenhafte Bergkulisse mit ein paar Wanderungen zu genießen, doch für den Moment ging es nach Queenstown, die aktivste und wirklich lebendigste Stadt, die ich kenne.

Den ausführlichen Beitrag seht ihr im nächsten Bericht.
Grüße, von den durchnässten.